Heute mache ich mich auf den Weg zu meiner Schwester. Ich habe zwar noch keine Tickets und keine Ahnung wo mein erster Bus abfährt, aber immerhin bin ich mir der einzelnen Stationen bewusst: Oneonta NY ab 12:45 pm nach Binghamton NY, ab 2:25 pm nach Scranton PA, ab 4:30 pm nach Doylestown PA. Ankunft etwa um 7:25 pm. Kurz es wird eine lange Busreise!
Es ist kurz nach 8:00 am und ich mache mich auf den Weg zum Frühstücken. Ein Stück Quiche, Marmelade-Toast und ganz viel Obst. Ein älteres Ehepaar nimmt an meinem Tisch Platz und nach kurzer Zeit kommt man ins Gespräch. Der Grund des Besuches in Cooperstown? Natürlich die Hall of Fame. Herkunft? Deutschland, Berlin. That’s nice we are from Ottawa, Canada. Man unterhielt sich weiter über Lieblingsmannschaften und über den Niedergang der NFL Europe und dessen ehemaligen Mannschaften. Der Tisch wurde noch internationaler als sich ein Paar aus Schottland zu uns gesellte. Deren Grund des Besuches war aber rein verwandtschaftlicher Natur. Nach etwa 40 Minuten verabschiedete ich mich, denn ich musste noch packen und Erkundigungen einholen bezüglich meines anstehenden Bus-Marathons.
Ich hatte folgenden Plan: der Weg nach Oneonta dürfte in etwa eine Stunde dauern und ich vermutete, dass der Bus eine Schleife durch Cooperstown dreht, bevor er wieder in einer Tour nach Oneonta zurückfährt. Um sicher zu gehen wollte ich bereits kurz vor 10:00 am an der Haltestelle sein, an der ich vor zwei Tagen ausgestiegen war. Sollte ich falsch liegen hätte ich noch eine Stunde über, bevor ich dann um 12:00 pm in Oneonta eintreffen würde. Genug Zeit für den Bus nach Binghamton um 12:45 pm.
Die Rezeptionistin war sich bezüglich der Haltestelle auch nicht so sicher, so dass ich mich tatsächlich um kurz nach 9:30 am auf den Weg machte. Dort angekommen sass ein älterer Herr bereits an der Haltestelle und wartete offensichtlich auf den Bus. Auf meine Frage ob dieser Bus nach Oneonta fahren würde, bejahte er dies. Bingo dachte ich mir und es entwickelte sich ein längeres Gespräch mit dem älteren Herrn. Ich erzählte ihm den Grund meiner Reise, dass ich aus Deutschland käme, alle Ruhmeshallen der vier wichtigsten US-Sportarten besuchen möchte und mich nun auf dem Weg nach Doylestown befinde, um dort meine Schwester zu besuchen. Er selbst käme ursprünglich aus New York City und habe sich hier in der Nähe zur Ruhe gesetzt. Nun befände er sich auf dem Weg zu einem Freund, um ihm beim Feuerholz machen zu unterstützen. Im Winter gäbe es hier nämlich sehr viel Schnee. Schon Ende Oktober würde es hier schneien, erzählte er mir. Im Sommer sollte man nicht unbedingt in Cooperstown sein, denn da sei hier viel los. Viele Jugendliche aus aller Welt würden mit ihren Eltern hier herkommen, um gegeneinander zu spielen. Ah ja, die Little League World Series entgegnete ich ihm, dass ist gerade für die Jugendlichen ein besonderes Ereignis.
Pünktlich um 10:00 am kommt dann tatsächlich der Bus, der uns nach Oneonta bringen soll. Ich bezahle wie zur Hinfahrt 3.50 Dollar und nehme mit meinem Koffer Platz, während der ältere Herr den Busfahrer darüber informierte, wer ich denn sei, woher ich käme und warum ich nach Cooperstown kam. Die Fahrt geht an den Baseball-Plätzen des besagten Turniers vorbei und auch auf eine Käsefabrik werde ich hingewiesen. In Oneonta angekommen lässt mich der Busfahrer direkt am Busbahnhof für meine Weiterreise raus. Ich bedanke mich dafür und verabschiede mich.
Super nun ist es etwa 11:00 am und ich habe genügend Zeit um mir die Tickets zu besorgen. Naja, eigentlich zuviel Zeit, wenn man ehrlich ist. Ich werde wohl wieder etwas Zeit totschlagen müssen. Die Busstation ist ein kleiner schmaler Raum in einer Ecke eines Parkhauses gelegen. Ich betrete die Mini-Station und gehe zum Schalter, hinter dem ein Mann mittleren Alters sitzt und mich irgendwie an eine Person aus Harry Potter erinnert.
Ein Ticket nach Binghamton bitte. Könnte ich vielleicht auch gleich ein paar weitere Tickets bei Ihnen erwerben? Wohin wollen Sie denn? Nach Doylestown! Ja, das ist kein Problem, dass macht dann 72.00 Dollar. Ich bezahle und freu mich tierisch, denn damit ist meine Weiterreise gesichert. Heute Abend werde ich in Doylestown bei meiner Schwester sein.
Bis zum Eintreffen des Busses nach Binghamton sind es noch knapp 1 Stunde und 30 Minuten. Mmh was mach ich so lange? Ich ziehe mir erst einmal eine Brause aus dem Automaten. Mello Yello. Total ekelig, aber der Automat hatte kein Wasser mehr.
Es dauert nicht lange und ich bin mit dem Ticketverkäufer allein in der Station. Ich entdecke nun eine kleinen Kühlschrank mit Getränken beim Schalter und ärgere mich über die 1.25 Dollar, die ich für das Melonen-Zuckerwasser ausgegeben habe. Ich kaufe mir eine Flasche Wasser beim Ticketverkäufer und wir kommen dabei ins Gespräch. Ich komme aus Deutschland und bin auf meiner Hall of Fame Tour. Auch er ist sehr interessiert und wir unterhalten uns über Politik und die Weltwirtschaftskrise. Auch Fremdenfeindlichkeit ist ein Thema, da sich auch der kleine Ort Oneonta zu einem Schmelztiegel diverser Kulturen entwickelt hat. Wir waren uns beide einig, dass man Fremde nicht anfeinden sollte, sondern besser auf sie zugehen sollte, um aus erster Hand von deren Kultur lernen zu können.
Mit dem Eintreffen des Busses nach Binghamton verabschiede ich mich vom Ticketverkäufer und so geht die Reise weiter vorbei an von Wäldern bedeckten Hügeln. Der Indian Summer hat langsam eingesetzt und die Bäume erstrahlen in den unterschiedlichsten Gelb-, Orange-, Rot- und Grüntönen.
In Binghamton habe ich ungefähr 35 Minuten Zeit um auf Toilette zugehen und mir was Essbares zu organisieren. Da es wieder keine Schließfächer gibt, heißt es abermals Koffer mit auf das Klo nehmen. Gott sei Dank sind die Kabinen wieder groß genug. Trotzdem lästig.
Ich gehe in das kleine Diner in der Station, die einzige Möglichkeit am Ort etwas Essbares zu bekommen. Eigentlich wollte ich ein Sandwich, doch ich bekomme panierte Chickenteilchen und Pommes, Super Heiko! Sie sind auch noch verdammt heiß und da ich kaum Zeit habe verbrenne ich mir beim Herunterschlingen den Gaumen. Ich nehme mir noch einen Schoko-Cookie und zahle.
Mein Bus geht von Gate 2 nach Scranton ab. Es wird bereits eingecheckt. Diesmal herrscht einwenig Hektik und im Gegensatz zu meinen bisherigen Fahrten ist der Bus komplett belegt. Anscheinend fahren viele Richtung Scranton weiter, um von dort nach New York und Philadelphia weiterzufahren. Kaum haben wir Binghamton verlassen als wir an einer Burger King Raststätte eine Pause von 20 Minuten machen. Danach geht es endlich weiter.
Kaum in Scranton angekommen erkundige ich mich nach dem Anschlussbus und dessen Gate. Es ist die 8 und er stünde bereits an Ort und Stelle. Ich nutze die kurze Pause für eine Gang auf die Toilette. Ein Mitreisender lässt seine Koffer draußen stehen. Ich tue es ihm gleich, da ich keine Lust hatte, den Koffer wieder mit auf die Toilette zu zerren. Während ich mich erleichtere drehen sich meine Gedanken nur um den blöden Koffer, wird er noch da stehen, wenn ich wieder herauskomme? Was mache ich wenn er nicht mehr da steht? All diese Gedanken waren unbegründet. Der Koffer stand noch da und die Reise konnte weiter gehen.
Ich stellte mich für den Check-in in der Schlange an und wartete. Plötzlich kreischte mich ein farbige Frau mit Kind an. Ich verstand nicht viel, eigentlich gar nichts. Irgendwas von Bug oder so. Zuerst war ich mir auch nicht sicher, ob sie mich meinte. Ich drehte mich um und vergewisserte mich, ob hinter mir jemand wäre. Nee da ist niemand, die muss wohl doch mich meinen und wandte mich wieder zu ihr hin. Sie war noch immer hysterisch, aber ich wurde aus dem was sie sagte partout nicht schlau. Erst als ein junger Mitreisender mich auf etwas auf meiner Brust aufmerksam machte war es mir dann klar. Da sass eine große Blatt- oder Baumwanze, ein fetter Brummer. Ich wischte ihn weg, bedankte mich und signalisierte, dass alles in Ordnung sei.
Als der Bus dann in Richtung Philadelphia abfuhr war ich froh, denn ich wusste es ist mein letzter Bus für heute, kein Umsteigen mehr, einfach nur noch sitzenbleiben und abwarten, bis wir dann Doylestown erreichen. Über das WLAN im Bus schrieb ich meiner Schwester eine Nachricht, dass ich mich auf dem Weg zu ihr befände.
Wir fahren durch die Pocono Mountains. Eine kleine Gebirgskette, die ich bereits vor 8 Jahre besuchen durfte. Die Wegstrecke ruft einige Erinnerungen in mir wach. Damals war ich in den Bergen an einem See. Ich erinnere mich an die vielen riesigen Libellen, die zutraulich wirkten und sich auf dich setzten. Sie schimmerten bläulich. An die Schlange, die sich durch das Schilf schlängelte. Es war tierisch heiß damals und ich bekam einen üblen Sonnenbrand. Ich erinnere mich noch an den starken Verkehr damals auf der Rückfahrt, da die Zuschauer von der nahegelegenen Rennstrecke wieder nach Hause fuhren.
Weiter geht die Fahrt und es beginnt eine kleine Weltreise. Bereits vor Pocono kamen wir an Moscow vorbei und nun folgten Belfast, Nazareth und Bethlehem. Dann wird es wieder vertrauter, denn wir erreichen die Umgebung von Doylestown. Ich schreibe meiner Schwester wieder eine Nachricht, dass wir kurz nach 7:00 pm den Busbahnhof von Doylestown erreichen werden. Ich kannte diesen bisher nicht und war mir nicht sicher wie es von dort weiter gehen würde. Mir war nur eine Haltestelle am Zugbahnhof bekannt, von der wir vor 4 Jahren nach New York aufbrachen. Und genaue diese kleine Haltestelle ist es dann, an der der Bus hält. Ich sehe schon meine Schwester und meine Nichte am Straßenrand stehen. Ich steige aus, bedanke mich für die Fahrt und greife mir meinen Koffer. Meine Nichte strahlt. Sie ist erst 10 Monate aber scheint mich dennoch wieder zu erkennen. Ein Sonnenschein.
Damit endet der erste Teil meiner Hall of Fame Reise. Am 7. Oktober geht es dann weiter nach Canton OH, wo ich dann die Football Hall of Fame besuchen werde.




