Last Stop Toronto

Heute verlasse ich die Vereinigten Staaten und werde zum ersten Mal kanadischen Boden betreten. Der Weg dahin wird unspektakulär sein, da ich die meiste Zeit auf Flughäfen verbringen werde. Der Plan sieht folgender Maßen aus: Ich fliege um 4:15 pm von Cleveland nach New York und komme dann um 9:20 pm in Toronto an. Warum ich diesen Umweg machen muss ist mir auch ein Rätsel, aber einen Direktflug gab es nicht.

Ich mache mich bereit und begebe mich auf die Suche nach dem Speiseraum. Der ist leer und abgedunkelt. Mmh, verpasst! Was nun? Ich sehe mich schon am Automaten stehen, um den Tag mit diversen Schokoriegeln zu beginnen.

Am Empfang erkundige ich mich nach dem Zeitpunkt , zu dem ich spätestens auschecken muss (eigentlich 11:00 am), schließlich will ich den freien Internetzugang noch ein wenig nutzen und mein Flug geht ja auch erst heute am späten Nachmittag. Man versicherte mit bis 12:00 am wäre das kein Problem. Fein!

Der Empfang ist sehr klein und besteht aus zwei kleinen Pulten, die seitlich in der Mitte eines langen und hallenartigen Ganges stehen. Am Ende des Ganges entdecke ich ein kleines Schild eines Diners. Sehr cool, denke ich mir, damit wäre wohl die morgendliche Nahrungsaufnahme sichergestellt.

Ich setze mich an die lange Theke, direkt gegenüber des Kochs, und bestelle Rührei mit Speck, Pancakes und eine Cola. Interessiert verfolge ich die Zubereitung, da es keine separate Küche gibt. Eier und Speck schmecken sehr gut, nur fällt mir wieder ein, wie trocken und geschmacklos Pancakes sind, so dass ich sie förmlich in Ahornsirup ertränke. Nach all dem bin ich pappsatt, zahle und verabschiede mich, um zurück auf das Zimmer zu gehen.

Trotz des „Bitte nicht stören“-Schildes entwickelt sich sich das Personal des Reinigung-Services zum „Pain in the Ass“, so dass ich mehr oder weniger aus dem Hotel flüchte. Meine Stimmung ist auf dem Tiefpunkt. Auf dem Weg zur Lobby begrüße ich alle Mitarbeiter mit einem aufgesetzten „Du mich auch“-Lächeln, während ich darüber nachdachte, wie ich am besten zum Flughafen komme: Taxi oder Bahn? Nach Auskunft der Empfangsdame soll das Taxi ungefähr 30 Dollar kosten. Das ist nicht ohne, aber ich würde den Flughafen entspannter erreichen und müsste auch nicht lange nach meinem Gate suchen.

Flug nach New York

Flug nach New York

Dort angekommen wurden aus den 30 Dollar dann doch mal schnell 45 Dollar. Haha. Was solls, ich hab ja Urlaub und gab dem etwas verdutzt wirkenden Taxifahrer noch weitere 5 Dollar Trinkgeld. Dennoch erwies sich die Entscheidung das Taxi zu nehmen als goldrichtig. Denn nun sollte mein Flug um 1:50 pm stattfinden. Das Einchecken und die Sicherheitskontrollen dauerten ewig. Das Flugzeug ist nicht sonderlich groß gewesen, eine typische Kurzstreckenmaschine mit einem Gang und zwei Sitzreihen auf jeder Seite. Ich erhalte einen Fensterplatz in der ersten Reihe der Economy-Class.

Der Zielflughafen La Guardia liegt östlich von Manhattan im Stadtteil Queens. Im Landeanflug fliegen wir an der berühmten New Yorker Skyline vorbei. Die Aussicht ist beeindruckend. Vor Jahren bin ich mal mit dem Bus nach New York gefahren. Unmittelbar bevor man die Stadt erreicht, ist die Sicht durch Felswände versperrt, doch kurz vor der Brücke nach Manhattan, gibt die Felswand die Sicht auf die New Yorker Skyline frei. Man wird förmlich erschlagen von der Größe der Wolkenkratzer, denen man urplötzlich gegenüber steht und die dicht an dicht gedrängt auf der Südspitze Manhattans stehen. Diesen Moment vergisst man nie.

In New York gelandet herrscht heilloses Durcheinander. Ich kann keinen Informationsschalter erkennen und bin dadurch verwirrt und orientierungslos. Der Flughafen scheint aus einem einzigen und sehr schmalen Gang zu bestehen. Die Leute strömen alle in eine Richtung. Ich lasse mich von der Menge treiben, bin also im Flow, und lande schließlich bei zwei Beamten der Flugsicherheit. Nach einem kurzen Gestammel meinerseits und der Aufforderung nach meiner Flugnummer Ausschau zu halten ihrerseits, wurde ich wieder zurückgeschickt. Da ich von einer Stadt wie New York wohl mehr erwartet hatte, als die kleinen Fernseher auf der Höhe eines Kleinkindes, habe ich diese wohl im Eifer des Gefechts schlichtweg übersehen oder ignoriert. Nun aber sah ich sie, ich meine da war halt nix anderes. Und wenn man geduldig genug war und erkannt hatte, dass auf den Monitoren mehrere Seiten nach einander eingeblendet wurden, dann konnte man tatsächlich seine Flugnummer und damit das benötigte Gate finden.
Fantastisch! Und das tolle daran war auch noch, dass ich eigentlich fast unmittelbar vor meinem benötigten Gate stand. Bingo!

Abflug sollte 5:40 pm sein und so beginnt das Warten. Ich wechsel immer wieder die Plätze, da ich zum einen zwischendurch etwas Essbares auftreiben muss und zum anderen auf der Suche nach einer bestimmten NY-Tasche bin. Schließlich lande ich auf einem Platz neben einer jungen afro-amerikanischen Frau und schreibe in meinem Notizblock an meinem nächsten Artikel. Nach einer Verzögerung um etwa eine Stunde geht es dann endlich los. Es ist wieder eines dieser Kurzstreckenflugzeuge und wieder habe ich einen Platz am Fenster. Und wer sitzt neben mir: die junge afro-amerikanische Dame von vorhin.

Während des Fluges muss ich dann doch das stille Örtchen aufsuchen, dass sich in diesem Flugzeug doch eher als kleine Folterkammer entpuppte. Ich hätte definitiv vorab im Flughafen gehen sollen. Hoffe dass wird mir für die zukünftigen Reisen eine Lehre sein. Ich weiß auch nicht warum ich auf den Langstreckenflügen bisher nie das Bedürfnis hatte, die Bordtoilette aufsuchen zu müssen. Eine Stimme aus dem Cockpit macht die Passagiere darauf aufmerksam, dass man nun die Niagara-Fälle überfliegen würde. Ich sah aus dem Fenster. Es war dunkel. Unter mir ein Meer an Lichtern. Es war mir nicht möglich, etwas zu erkennen, dass auch nur im Entferntesten meinen Vorstellungen eines riesigen Wasserfalls entsprach. Durch meine Enttäuschung kam ich aber mit meiner Sitznachbarin in Gespräch. So erfuhr ich, dass sie aus Toronto stamme, als Model arbeiten würde und häufig diese Strecke fliegt, um ihren Freund in New York zu besuchen, der dort als DJ arbeitet. Toronto sei großartig, sagt sie und ich würde die Stadt lieben. Sie hätte viel über Berlin gehört und würde die Stadt zu gerne auch mal besuchen kommen.

Um 10:20 pm landete der Flieger in Toronto und wir machen uns gemeinsam auf den Weg zur Passkontrolle. Wir passieren endlose Korridore. Der Flughafen wirkt wie ausgestorben. Angekommen trennen sich unsere Wege. Ich reihe mich in der Warteschlange für einreisende Ausländer ein. Meine Kontrolleurin ist eine attraktive blonde Beamtin, die mich kurz mustert und nach dem Grund meines Aufenthaltes fragt. Ich entgegnete, dass ich mich auf meiner „Hall of Fame“-Tour befände und nun auf dem Weg wäre meine letzte Station zu besuchen, die Hockey Hall of Fame. Die Einreise wurde mir genehmigt und nun galt es meinen Koffer zu finden. Erst dachte ich, ich hätte ihn schnell gefunden, aber diesem Modell fehlte eine ganz bestimmte Eigenschaft: der Berlin-Aufkleber. So musste ich doch noch ein wenig auf ihn warten.

In der Empfangshalle herrschte reges Treiben. Ich hatte mich vorab im Internet nach einer Transportmöglichkeit vom Flughafen zu meinem Hotel erkundigt. Taxi wäre zu teuer. Aber ich fand eine Buslinie, den Airport Express, der mich hin und zurück nur 42 kanadische Dollar kosten würde. Am Informationsschalter erkundigte ich mich nach deren Terminal. Ich muss mich irgendwie sonderbar verhalten oder ausgedrückt haben, denn der Typ zögerte erst mit einem sonderbaren Lächeln und zeigte dann aber in eine bestimmte Richtung ohne mich dabei anzuschauen. Und da kam wieder mein aufgesetztes „Du mich auch“-Lächeln zum Einsatz.

Ich begab mich in die mir angezeigte Richtung, konnte aber keine entsprechenden Terminals ausmachen. Erst beim Verlassen der Eingangshalle konnte ich erkennen, dass die gesuchten Ticketschalter direkt an den Fahrbahnen zu finden sind. Der Ticketverkäufer war überaus freundlich und empfahl mir an einer ganz bestimmten Haltestelle aus zusteigen, da derzeit viele Baustellen in der Stadt wären. Ich brauchte nicht lange auf den Bus zu warten und als ich drin sass, mein Koffer verstaut war, wusste ich, jetzt dauert es nicht mehr lange bis ich im Hotel wäre.

Toronto bei Nacht

Toronto bei Nacht

Im Internet hatte ich mich vorab über die Strecke der Buslinie erkundigt. Daher wusste ich, dass ich nur am Westin Harbour Castle aussteigen musste, um dann die Yonge Street nordwärts hoch zulaufen, wodurch ich ganz einfach mein Hotel, das Victoria, erreichen würde. Als der Bus entgegen meiner Erwartung tatsächlich diese Station erreichte, da der Ticketverkäufer von diversen Baustellen sprach, stieg ich kurzer Hand aus und machte mich auf den Weg.

Es war Donnerstag kurz nach 11:00 pm. Das Wetter war angenehm. Viele Leute waren noch unterwegs. Mit meinem Rollkoffer kam ich an der Hockey Hall of Fame vorbei. Nur ein Block weiter betrat ich dann mein Hotel und am Empfang wurde ich von einem indisch-stämmigen Mitarbeiter begrüßt, der genauso gut Englisch sprach wie ich.

Jetzt galt es noch die letzten Formalitäten abzuschließen, um dann endlich die Tür meines Hotelzimmers hinter mich schließen können. Ich gebe ihm meine Kreditkarte und bekomme sie auch prompt wieder zurück, mit dem Hinweis, dass die Zahlung nicht erfolgen konnte und ob ich vielleicht noch eine andere für ihn hätte. Ja klar noch 10 weitere, denke ich mir und verneine seine Anfrage. Gedanklich überschlug ich noch einmal meine Reisekosten und überlegte woran es scheitern könnte, welcher Betrag dafür verantwortlich sein könnte, der das Limit meiner Kreditkarte sprengte. Das Hotel in Pittsburgh, schoss es mir in den Kopf, dass war außerplanmäßig. Aber dennoch sollte es eigentlich reichen. Ich sagte dem Mitarbeiter, dass es wohl keinen Sinn hätte und dass ich die Rechnung nun vorab in bar bezahlen möchte.

Gesagt getan, ich bekam meinen Schlüssel und machte mich auf den Weg zu meinem Zimmer. Dort angekommen wird das Zimmer erst einmal unter die Lupe genommen und sich häuslich eingerichtet. Das Zimmer war klein, wirkte etwas beengt. Der Blick fiel zum Hof raus, aber das war mir eigentlich egal, da ich mich ja tagsüber nicht hier aufhalten würde. Ansonsten war es recht stilvoll und modern eingerichtet und vor allem sauber.

Morgen dann die letzte Station meiner Tour, die Hockey Hall of Fame. Ick freu mir.