Die heiligen Hallen von New Stuttgart

Mmh, wieso New Stuttgart? Ist der Heiko zurück aus den USA und das über Nacht? Zurück in „Good Old Germany“? Oder einfach nur durchgeknallt? Natürlich letzteres, wuahaha (Wie war das mit der Weltherrschaft?).

Nein, ist er nicht. Eigentlich mach ich mich heute auf den Weg nach Cleveland. Dort wurden Szenen des Blockbusters Avangers gedreht und gerade diese Szenen sollten in Deutschland spielen, eben in Stuttgart! Und welche heiligen Hallen befinden sich dort?
Das Rock and Roll Hall of Fame Museum! Ich bin zwar nur eine Nacht in Cleveland und die Entfernungen sind mir nicht bekannt, aber vielleicht geht ja was.

Der Morgen beginnt mit den gleichen Ritualen wie immer. Das wichtigste dabei ist as usaual, ausgiebig frühstücken! Die Abfahrt in Canton sollte erst um 02:25 pm erfolgen, bis dahin gilt es also noch einige Zeit zu überbrücken. Also denke ich mir, ich nutze noch ein wenig den Komfort meines Hotelzimmers, insbesondere das WiFi, und besuche anschließend die Canton Car Show, die sich in der Tiefgarage des Hotels befindet.

Ich checke aus, hinterlasse mein Gepäck an der Rezeption und begebe mich mit meiner Kamera hinab in die Tiefgarage. Im Eingangsbereich, der aus freistehenden Arbeitsplätzen besteht, werde ich von drei älteren Herren empfangen. Alles wirkt etwas chaotisch, zusammen gewürfelt und der typische Duft von Benzin steigt mit in die Nase. Meine Anfrage mir die Autos anschauen zu wollen und Photos zu machen wird positiv bestätigt. Eintritt ist frei. Das sogenannte Office ist nach hinten offen. Gleich beim Eintreten des selbigen sieht man im Hintergrund schon die Fahrzeuge, Oldtimer wie Newtimer.

Und so mache ich meine Runde zwischen den prächtigen Fahrzeugen und schieße ein Photo nach dem anderen. Von Modellen aus den Zwanziger Jahren wie dem Ford Model T von 1926 bis zum Ford Mustang Convertible Coupé von 1971 waren zahllose Fahrzeuge aus allen Jahrzehnten vertreten. Ein Traum für Autofans und alle waren in einem scheinbar tadellosen Zustand und standen zum Verkauf! Im Gespräch mit einem der Mechaniker, der mich im Eingangsbereich empfangen hatte, erfuhr ich, dass der Eigentümer des Hotels die Sammlung finanziert und die Wagen wieder zum Verkauf anbietet. Regelmäßig würden Fahrzeuge aufgekauft werden, von den Mechaniker liebevoll wieder restauriert und anschließend gewinnbringend veräußert. So kostet der 71er Mustang $17,995, ein 56er Oldsmobile 98 Starfire Convertible $89,995, ein 1924 Packard Sedan $28,999 und ein 1939 Packard 1703 $33,995. Besonders angetan war ich von einem Buick Special von 1940 in einem schönen Vanille-Farbton. Für schlappe $32.995 hätte es meiner sein können. Leider sprengte das nur unwesentlich meine Urlaubskasse, so dass ich diese doch äußerst günstige Gelegenheit verstreichen lassen musste. Einfach zu schade.

Ich verabschiedete mich von besagtem Mechaniker, der mir im Gespräch verriet nie in Deutschland gewesen zu sein, aber deutsche Autos liebt. Erst kürzlich habe er sich einen Porsche Boxter gekauft. In meinem Kopf kreisten für eine kurze Weile Gedanken, die meine Berufswahl in Frage stellten.

Zu Fuß mach ich mich auf den Weg zum Busbahnhof. Er ist nicht weit vom Hotel gelegen. Mein Hauptkriterium bei der Planung meines Aufenthaltes in Canton. In wenigen Minuten leicht zu erreichen, kein Taxi, keine großen Umstände. Der Bahnhof ist klein. Ein schmaler länglicher Bau aus roten Ziegelsteinen und hellgrünen Dächern. Scheinbar neueren Datums. Innen zwei Ticketschalter. Am Schalter der Barons Bus Line besorge ich mir meine Tickets, die ich bereits vorab über das Internet gekauft hatte. Bis Cleveland ist es nicht weit. Die Fahrt soll nur 1 Stunde und 20 Minuten dauern. Ich bin wieder sehr zeitig am Start, so dass ich eine Weile am Bahnhof fest saß.

Das Publikum spiegelte die wirtschaftliche Lage hier in Canton wieder. Viele ärmlich wirkende Menschen, viele die am Schalter nach Wohlfahrtseinrichtungen nachfragten.
Ich fühlte mich nicht sehr wohl. Als Tourist fiel man hier schon deutlich aus dem Raster. Der „I love Berlin“-Aufkleber tat sein übriges. Auf die Toilette ging es dann auch nur mit Gepäck, gleichwohl ich selbst gebeten wurde, auf das Gepäck von Mitreisenden aufzupassen, während sie sich sanitär entspannten. Nach etwa einer Stunde Wartezeit kam endlich der Bus. Er hatte sich etwas verspätet. Die Reise ging nun endlich weiter. Auf nach Neu-Stuttgart!

In Cleveland angekommen, checkte ich auf meinem Iphone noch einmal die Route zum Hotel. Das war das Gute an den USA, an allen wichtigen Knotenpunkten wie Hotels, Flughäfen und Bahnhöfen, ja in den Bussen selbst hatte man freies WiFi. So war man eigentlich zu jeder Zeit in der Lage, die nächsten Schritte seiner Reise noch einmal zu überprüfen. Ich trat also vor den Busbahnhof und ging in Richtung Stadtmitte. Nach etwa 15 Minuten hatte ich mein Hotel erreicht, das Holiday Inn Express in der Euclid Avenue.

Cleveland Hotelzimmer

Cleveland Hotelzimmer

Es handelt sich dabei um ein ehemaliges Bankgebäude, dass erst vor kurzem in ein Hotel umgebaut wurde. Ich bekam ein schickes und großes Eckzimmer mit sehr hohen Wände. Es sah aus wie aus einem IKEA-Katalog. Das sollte mich aber erst mal nicht interessieren, denn schließlich hatte ich nicht viel Zeit, um die Stadt ein wenig kennen zu lernen. Ich schnappte mir meine Kamera und machte mich auf den Weg.

Mein erstes Ziel sollte der Cleveland Public Square sein, der Ort, an dem die Szenen für den Avanger-Film gedreht wurden. Nur eine Katzensprung von meinem Hotel entfernt. Dort angekommen machte ich mit einem seltsamen Phänomen Bekanntschaft.
Der Platz, der eigentlich aus vier kleineren Plätzen bestand, die jeder für sich unterschiedlich gestaltet waren, hatte ein kleines Problem mit klitzekleinen Fliegen, die unseren Gewittertierchen ähnelten. Die Luft war nur so geschwängert von diesen Tierchen und komischerweise auch nur dort. Wahrscheinlich angelockt von der dortigen Vegetation. Ich schoss einige Bilder mit meiner Kamera, insbesondere vom Terminal-Tower, dem Gebäude aus dem Film und suchte anschließend schnell das Weite.

Als nächstes begebe ich mich in die Richtung des Lake Erie, denn dort ist das Football-Stadion der Cleveland Browns und die Rock and Roll Hall of Fame. Am Stadion angekommen nutze ich die letzten Sonnenstrahlen für eine ganze Fotoserie. Ich laufe einmal um das Stadion herum und entdecke dabei die Ruhmeshalle der Browns. Zu Ehren wichtiger Mitglieder wurden Plaketten an die Außenwand des Stadions angebracht.

Rock and Roll Music Hall of Fame

Rock and Roll Music Hall of Fame

Zwei Gebäude weiter die Straße entlang befindet sich das Rock and Roll Hall of Fame Museum – das Gebäude dazwischen ist eine Forschungseinrichtung der NASA. Hinter dem Stadion und den anderen Gebäudekomplexen erstreckt sich der riesige Lake Erie und in Richtung Landesinnere kann man die Skyline Clevelands bewundern. An der Hall angekommen mache ich weitere Außenaufnahmen der Ruhmeshalle. Es ist ein sehr moderner und kunstvoller Bau. Von vorne betrachtet wirkt sie wie eine gläserne Pyramide. Dabei handelt es sich aber um zwei ineinander verschachtelte Glasfronten in Form von Pyramidenviertel, die rücklings in einen massiven und aufrecht stehenden Betonquader münden. Nicht einfach zu beschreiben, zumal auf der linken Seite des Gebäudes noch ein Zylinder war, der auf einer Säule stand und offensichtlich mit dem Hauptgebäude über eine Gangway zu erreichen ist. Über Lautsprecher ertönte Musik der Rolling Stones. Anlass ist wohl eine Sonderausstellung zu deren Ehren.

Ansicht von Vorne

Ansicht von Vorne

Da es kurz nach 06:00 pm war und die Museen üblicherweise um 05:00 pm dicht machen, war ich nicht allzu hoffnungsvoll mir noch irgendetwas im Inneren anschauen zu können. Aber es gingen immer noch Leute ein und aus, so dass mich meine Neugier packte und ich auch die Ruhmeshalle betrat. Rechts war der Souveniershop, der noch geöffnet hatte. Ich schaute mich ein wenig dort um. Keine Anzeichen dafür, dass der Laden gleich geschlossen wird. Links vom Eingang waren die Ticketschalter und da gerade eine große Gruppe eintrudelte wollte nun auch ich wissen, ob da noch was geht. Und es ging. Die Ruhmeshalle hat jeden Mittwoch bis 09:00 pm geöffnet. Bingo! Ticket bezahlt (22 Dollar) und hineinspaziert. Mit einem breiten Grinsen mit Namen Vorfreude.

Die Tour beginnt im Untergeschoss und endet hoch oben im Betonquader, wo sich die Sonderausstellung der Rolling Stones befand. Dazwischen konnte man Devotionalien diverser Legenden der Musikszene bewundern. Ein mit Strasssteinen besetzter Handschuh von Michael Jackson, Kostüme der Beatles, Rolling Stones, The Who, David Bowie und vielen anderen. Es gab auch kurioses, so zum Beispiel einen offiziellen Dienstausweis einer Polizeibehörde samt Marke aus der Sammlung von Elvis, der Ehrenmitglied besagte Einrichtung war. Die eigentliche Ruhmeshalle befand sich dann letztendlich in dem zylinderförmigen Raum, der komplett abgedunkelt war. In diesem bewegte man sich in einem schmalen Gang die Wand lang. An dieser sind Gravuren der Unterschriften aller Mitglieder zu sehen, die von Innen beleuchtet werden. Es ist schon interessant gewesen wie viel das Museum zu den einzelnen Mitgliedern zusammentragen konnte.

Nach einem weiteren Abstecher im Souvenirladen machte ich mich kurz nach 08:00 pm wieder auf den Weg zurück in das Hotel. Es war bereits dunkel geworden. Draußen spielte weiterhin die Musik. Die Ruhmeshalle leuchtete nun und lud abermals zum fotografieren ein. Und weiter ging es in Richtung Innenstadt. Da meine letzte Mahlzeit das Frühstück von heute Morgen war überlegte ich mir noch, ob ich nicht noch ein Restaurant aufsuchen sollte. Alles war hell erleuchtet, aber die Stadt wirkte wie ausgestorben. Nur hier und da vereinzelte Passanten. Ich entschied mich gegen das Essen gehen und besorgte mir unterwegs Wasser und ein paar Knabbereien. Der Abend endete dann vor dem Fernseher. Gespannt folgte ich den Wiederholungen von The Walking Dead. Seit geraumer Zeit lief schon jeden Abend der Marathon auf AMC.

Morgen wird es dann noch einmal heikel, denn dann gilt es den Flughafen von Cleveland zu erreichen und von dort dann nach Toronto zu fliegen. Dort befindet sich die Hockey Hall of Fame, der letzten Ruhmeshalle auf meinem Trip.