Das ist der Tag an dem alles beginnt!
Das ist zumindest beim Aufstehen mein erster Gedanke. Der nächste: Was macht der Hals? Mmh geht. Bist aber auch noch ganz schön wackelig auf den Beinen. Mist, doch noch eine Tablette? Lass mal, Kreislauf kommt von alleine!
Also Duschen, Anziehen, Frühstücken und danach Zähneputzen (Zahncreme nicht vergessen mitzunehmen). Und natürlich noch den Restabwasch erledigen, willst ja keine unerwarteten Mitbewohner nach Deiner Rückkehr vorfinden! Kopfkino wirkt.
Es klingelt. Mein persönlicher Fahrdienst: MUTTI.
Heute kann mich nichts aufhalten! Na gut, jetzt haben wir uns gerade ein wenig verfahren. Hey was soll’s, haben ja noch genug Zeit, ich hab Urlaub und bin relaxt!
Die Frage kommt jetzt, die jede Mutter stellen muss: Hast Du auch nichts vergessen? Nee Mama, alles klar!
Am Flughafen erst einmal einen schönen Berlin-Aufkleber besorgen. Erhöht den Wiedererkennungsfaktor bei der Gepäckausgabe und signalisiert woher man kommt: It’s Berlin, Baby! (Bitch wäre auch gegangen).
Die Warteschlange ist lang. Was soll’s ich hab Urlaub! Jeder der hustet wird böse angestarrt und innerlich verflucht. Schließlich ist man dann selbst an der Reihe und wünscht sich für die Flüge nach London und Boston jeweils Plätze am Gang.
Probleme gibt es nur mit meinem Pass. Nein, 20 Mal durchziehen hilft da auch nicht. Die Daten müssen doch per Hand eingegeben werden. Tut meiner Stimmung keinen Abbruch (hab ja Urlaub) und auch der Dame hinter dem Schalter ist nichts anzumerken.
Der Flug nach London verläuft gut, ich habe meinen Platz am Gang und bis auf leichte Ohrenschmerzen und einer etwas plumpen Landung ist der erste Teil meiner Anreise erfolgreich absolviert.
Auf zur Kontrolle. Beim wem piept es? Natürlich bei mir (Normalzustand). Also bin ich scheinbar der einzige der nun auch seine Schuhe ausziehen muss. Naja, was soll’s, ich habe ja Urlaub.
Nun heißt es auf die Ansage warten, die einem verrät an welchem Gate die Reise nach Bosten weitergehen soll. C64! I like. Commodore sei Dank!
Dort angekommen heißt es abwarten. Neben mir steht ein junger Mann asiatischer Herkunft, der plötzlich niesen muss. Vogelgrippe! Schießt es mir durch den Kopf (Tut mir leid, dass ich diesem Klischee aufgesessen bin). Arschloch, verpiss dich! Ich verpisse mich.
Es wird eingescheckt und ich bekomme einen Mittelplatz. Verdammt! Rechts sitzt eine ältere, blonde Dame. Links ist frei. Wer kommt? Die Vogelgrippe, wer sonst. Naja, was soll’s, ich habe Urlaub und bin relaxt.
Ich schau mir die Videothek an und entdecke Iron Man 3. Cool! Hab ich noch nicht gesehen, ziehe ich mir gleich rein.
Plötzlich wird mein Vordermann aufdringlich. Er scheint auf mein Schoß zu wollen, in dem er den Sitz möglichst weit nach hinten stellt. Ein beherztes Rütteln hilft da Wunder.
Der Flug verläuft reibungslos. Nach Iron Man 3, The Great Gatsby (verdammt, warum bekommt er am Ende nicht die Daisy? Wattn Scheiß-Film) und der Anfang von Deadfall kommt die rettende Durchsage: Ladies and Gentlemen, we are approaching Boston.
Damit wurde mir allerdings wieder bewusst, dass das direkte Weiterkommen nach Springfield in meinen Augen knapp bemessen war. Wir sollten um 18 Uhr in Boston Logan Airport landen und der Bus geht um 20 Uhr ab Boston South Station. Reichen da zwei Stunden? Ich hatte keine Lust ein Hotelzimmer in Boston zu mieten, um damit den Tag doppelt bezahlt zu haben. Das 20 Uhr Ticket war aber das einzige, das ich vorab kaufen konnte. Meine Sitznachbarin versuchte mich zu beruhigen. 2 hours should be enough. But it depends on the traffic! Mmh, na toll, kann mich gerade nicht entscheiden zwischen Panik und dem Einssein mit mir selbst. Ich entscheide mich für: Ich hab Urlaub und bin relaxt, also dann wohl eher letzteres!
Und so kam es, dass jedes Unbehagen unbegründet war. Der Flieger war 20 Minuten eher da, die Kontrollen gingen schnell von statten, nur der Koffer liess etwas auf sich warten. Am Ende war ich 1 Stunde vor Abfahrt des Buses am richtigen Gate und konnte mir für $2.50 eine Flasche Wasser und ein Lächeln organisieren. Der Bus kam und fuhr anschließend nonstop nach Springfield. Meine Sorge dort ein Taxi zu finden war auch unbegründet, kaum vor den Busbahnhof getreten ertönte ein Pfiff von der gegenüberliegenden Seite, von der sich ein Taxifahrer auf sich aufmerksam machte. Save!
Auf geht’s zum Hotel, dass unmittelbar in der Nähe der Hall of Fame liegt, das Hilton Garden Inn in Springfield. Allerdings über merkwürdig wirkende Schleichwege. Aber ich bleibe relaxt, hab ja Urlaub.
Um ca. 22.00 Uhr schloss sich dann die Hotelzimmertür hinter mir. Die Erleichtung war groß, als plötzlich das Telefon klingelte. Watt nu? Was an der Rezeption vergessen? Yes, hello? Es war meine Schwester!




