Die Nacht war kurz. Ich wollte unbedingt noch meinen letzten Artikel online stellen. Egal, jetzt gilt es die Müdigkeit beiseite zu schieben, denn heute besuche ich die Ruhmeshalle für American Football, der wichtigste Punkte meiner Tour! Somit wird heute ein Traum war, den ich am Ende des Tages von meiner Lifetime-Todo-Liste streichen kann.
An der Rezeption bestelle ich ein Taxi. Ich habe Glück, denn gerade in dem Moment wird ein Gast am Hotel abgeliefert. Ein witziger Zufall. Ich sollte später noch erfahren, warum es ein wahrer Glücksfall war.
Auf dem Hinweg wird mir klar, dass es wohl die richtige Entscheidung war ein Taxi zu nehmen, denn die Ruhmeshalle liegt etwas außerhalb an einer Schnellstraße. Ich hatte den Eindruck, diesen Weg per Fuß zu bewältigen könnte eine Weile dauern. Außerdem kennst Du die Gegend nicht und könntest leicht ungewollt in eine etwas gefährlichere Gegend geraten. Also lass Dich besser fahren, egal was es kostet. Könnte sich auszahlen, denke ich mir. 10 Dollar sollte die Fahrt kosten und ich gab ihm noch 2 Dollar Trinkgeld. Sollte wohl reichen, oder?
Es ist ein schöner Herbsttag. Der Himmel ist blau und nahezu frei von Wolken, die Sonne lacht und der Heiko strahlt vor Freude über das ganze Gesicht. Da steht er nun, direkt vor der Ruhmeshalle für American Football.
Ich mache erst Außenaufnahmen und tobe mich wieder einmal dabei aus. So eine Systemkamera ist schon was feines, all die verschiedenen Objektive und Möglichkeiten. Allerdings birgt das ständige Hin- und Herwechseln das Risiko von unerwünschten Effekten auf den Linsen. In Cooperstown sagte eine Frau zu mir, dass es wohl nun von Vorteil wäre mehrere Hände zu haben. Ja richtig, erwiderte ich ihr grinsend. Die angesprochenen Effekte muss man dann in der Nachbearbeitung herausrechnen lassen. Leider war diesmal mein Fischaugen-Konverter davon betroffen. Wahrscheinlich immer noch und ich war zu nachlässig beim Saubermachen. Mmpf.
- Vordereingang der Ruhmeshalle
- Hintereingang der Ruhmeshalle
- Logo der Ruhmeshalle
Die Pro Football Hall of Fame ist ein sehr moderner und verwinkelter Bau, dessen Grundriss wohl eher als sichelförmig zu bezeichnen ist. Das linke Ende mündet in einen Zylinder auf dem sich eine kleine Kuppel befindet, die wie eine Spitze eines Footballs aussieht. Der Eingangsbereich ist eine riesige zweigeteilte Glas- und Alu-Front. Auf der linken Aluminium-Seite befindet sich ein riesiges schwarzes Logo der Ruhmeshalle und auf der rechten Glas-Seite zwei Drehtüren, um hinein zu gelangen. Rechts des Eingangs schließen sich weitere Bauten an. Auf dem einen prangte ein riesiges Plakat von Walter Payton, dem ehemaligen Running Back der Chicago Bears.
Dann ging es los. Ich betrat das Foyer und ging zum Ticketschalter. Eintritt sind 22 Dollar für einen Erwachsenen. Es gibt eine coole Eintrittskarte auf der alle Mitglieder der diesjährigen Aufnahmeklasse abgebildet sind. Unter anderem Cris Carter und Warren Sapp. Rechts vom Schalter ist ein kleiner „green screen“ für Fotos. Natürlich ein muss für mich und lasse gleich eine Aufnahme von mir machen, hehe.
Anschließend begrüßt mich eine ältere Dame, um mir die Tour durch die Ruhmeshalle zu erläutern. Sie freut sich über meinen Besuch, als sie erfährt, dass ich aus Deutschland komme und wünscht mir eine sichere Heimreise.
Ich folge Ihren Anweisungen und starte meine Tour auf der ersten Ebene direkt im Kuppelbau. Hier geht es um das erste Jahrhundert des American Footballs und um die Entstehung und Entwicklung der National Football League (NFL). Wer schon immer wissen wollte, warum sich die Ruhmeshalle ausgerechnet in Canton (Ohio) befindet, wird hier fündig. Die Canton Bulldogs waren das erste professionelle Team und mit ihrem Star-Spieler Jim Thorpe dominierten sie die ersten Jahre des Sports und gewannen die ersten Championships.
Im zweiten Stock setzt sich die Geschichte fort. Verlässt man den Rundbau gelangt man zunächst in einen Raum in dem die aktuelle Aufnahmeklasse (Class of 2013) gewürdigt wird. Riesige Aufsteller und Schaukästen zu den entsprechenden Spielern und Trainern sind dort aufgebaut. Es ist witzig, wenn man das sieht und bemerkt, dass man einige davon hat spielen sehen. Cris Carter müsste zu einem American Bowl auch in Berlin gewesen sein. Das waren noch Zeiten.
- Canton Bulldogs
- Johnny Unitas
- Cris Carter
Was nun folgt, würde ich als das Herz der Ruhmeshalle bezeichnen, die Hall of Fame Gallery. Hier wird jedes Mitglieder mit einer Büste verewigt. Der Raum ist in dunklen Brauntönen gehalten und rer Boden aus blitzblanken Mamor. An den Wänden stehen die Büsten jeweils auf kleinen beleuchteten Glasflächen, geordnet nach Aufnahme-jahren. Es ist schwierig Aufnahmen zu machen. Der Raum ist sehr dunkel, aber ich gebe mein bestes. In der Mitte des Raumes sind interaktive Monitore, auf denen man sich Informationen zu den Mitgliedern anschauen kann. Desweiteren befindet sich dort eine Art Tisch, auf dem ein Ring liegt, den jedes Mitglied bei seiner Aufnahme erhält, den sogenannten Hall of Fame Ring. Er liegt dort zum Greifen nah. Man möchte ihn anfassen, greift aber dann doch ins Leere. Es ist ein Hologramm. Schon cool wie sie das gemacht haben.
- Eingang zum Hall of Fame Raum
- Hall of Fame Raum
- Steve Young Büste
Dann geht es weiter zu interaktiven Schaukästen, die sich mit bestimmten Spielern oder berühmten Spielsituationen aus den Vergangenheit beschäftigten. Einerseits war es möglich selbst anhand von Touchscreens zu bestimmen, welche Person man hören und sehen wollte, anderseits gab es Lautsprecherglocken, die automatisch reagierten, sobald man deren Reaktionsradius betrat. Die Schaukästen waren entweder mit einheitlichen Utensilien bestückt, nur Schuhe oder nur Helme, andere aber waren mit unterschiedlichen Devotionalien ausgestattet.
Nun folgte ein Raum, der sich mit den Spielern der aktuellen Zeit beschäftigte. Neben kompletten Autfitts der amtierenden MVPs wurden viele Gegenstände ausgestellt, die von Spielern stammten, die außergewöhnliche Leistungen oder Rekorde in den letzten Jahren erreicht haben. Und davon gibt es viele. So war ein Jersey von Peyton Manning ausgestellt, dem Quarterback der Denver Broncos, der erst kürzlich am ersten Spieltag der diesjährigen Saison sieben Touchdowns gegen die Baltimore Ravens warf. Damit stellte er den Rekord ein, den fünf Spieler vor ihm schafften (Sid Luckman, Adrian Burk, George Blanda, Y.A. Tittle und Joe Kapp). Es war schon beeindruckend und es sollte noch besser kommen.
Denn nun folgte die gesamte Super Bowl Geschichte samt Vince Lombardi Trophäe. Der Pokal für den Sieger der diesjährigen Saison steht bereits in der Ruhmeshalle zur Schau. Die ersten vier Finalspiele der 60 Jahre wurden einzelnen abgebildet und danach wurden die Ereignisse nach Jahrzehnten aufgearbeitet. Es war schon klasse, denn viele Gegenstände waren von den jeweiligen MVPs der Spiele, den sogenannten Most Valueable Players. Trikots von Legenden wie Joe Montana, Bart Starr und Len Dawson hingen dort. Den krönenden Abschluss bildeten die Super Bowl Ringe. That’s it what it is all about. Dafür schinden und schuften die Spieler, um sich eines Tages solch einen fetten Ring über den Finger streifen zu dürfen. In einer Vitrine waren alle bisherigen Ringe ausgestellt und man konnte deutlich erkennen wie viel größer und prunkvoller sie mit der Zeit wurden. Manche der neuen waren richtig fett. Das gibt Schlagseite.
- Vince Lombardi Trophäe
- Ring der Redskins
- Ring der Colts
Den Rest meiner Zeit in der Ruhmeshalle verbrachte ich im Souvenir-Shop. Auf der Suche nach brauchbaren Erinnerungsstücke und Geschenke für meine Football-Kumpels in Berlin. Leider gab es kaum brauchbares zum Jubiläum, kaum T-Shirts in meiner Größe. Anscheinend war der Hype um den 50. Geburtstag schon abgeebbt.
Mit dem Verlassen des Shops kam zur Foto-Ecke. Ich bestellte natürlich das komplette Pakett, hehe, musste aber feststellen, dass ich auf den Bildern verdammt blöd aus der Wäsche schaute. Ein neues Bild war kein Problem und diesmal passte es auch für mich.
Nun war ich wieder mal 4-5 Stunden in einer Ruhmeshalle unterwegs. Es ging auf 4:00 pm zu, so dass ich die Dame am Ticketschalter fragte, ob sie mir einen Gefallen tun und mir ein Taxi rufen könnte. Mit einen freundlichen „Of course“ versuchte sie mir ein solches zu organisieren. Das erste sollte in einer Stunde kommen. Mmh, dass ist ja noch eine Weile hin. Die Dame gab mir zu verstehen, dass Taxi-Bestellungen in Canton sehr schwierig sind, sie aber versuchen wird ein Taxi zu bestellen, dass früher zur Verfügung stehen könnte.
Lange Rede kurzer Sinn, sie erreichte das Taxi-Unternehmen, das mich auch hier her zur Ruhmeshalle brachte und dieses wolle ein Taxi in den nächsten 30 bis 45 Minuten schicken. Ich bedankte mich bei der netten Dame und machte mich auf der Suche nach was Ess- und Trinkbaren, dass ich in einigen Automaten einer Mini-Kantine innerhalb der Ruhmeshalle fand. Ein kleiner Snack und dann raus vor den Eingangsbereich und warten auf das Taxi.
Ich warte und warte. Um 5 pm schließt die Ruhmeshalle. Auch die Dame vom Ticket-schalter kommt an mir vorbei auf ihrem Weg zu ihrem Auto. Noch ein paar nette Worte zum Abschied. Und ich wartete weiter. Wartete in einer gefühlt gottverlassen Einöde. Tja, war wohl zuwenig Trinkgeld. Nach einer Stunde beschließe ich zu laufen. Mit meinem iPhone wird es schon gehen. Besser ich laufe jetzt los, als später wenn es anfängt dunkel zu werden.
Es wurde ein netter Spaziergang. Entlang der Schnellstraße gab es auf der anderen Seite einen langgezogenen Park. Diesem folgte ich soweit es ging. Ich genoss zwar die Umgebung, hielt es aber dennoch für angebracht zügig meines Weges zu gehen. Außer einem kurzen Stück Straße, in der die Häuser etwas heruntergekommen aussahen, war es eine angenehme Wegstrecke, für die ich etwa eine Stunde brauchte. Im Hotel angekommen besuchte ich anschließend das dortige Restaurant und genehmigte mir einen Salat und einen Jim Thorpe Burger.
- Mausoleum in Canton
- Park in Canton
- Bank in Canton
Für einen Football-Freak wie mich war es ein fantastischer Tag. Ich kann es nur jedem Fan empfehlen auch einmal nach Canton Ohio zu kommen, hier der Wiege des professionellen American Footballs, um sich einmal vor Ort über die Geschichte des Sports zu informieren.

















