Der Tag beginnt mit etwas Wehmut, denn heute trennen sich die Wege von der Familie meiner Schwester und mir. Morgens um 9:00 verabschieden wir uns am Hoteleingang und ich habe in der Tat daran zu knabbern. Mich von der kleinen Nichte mit den großen Augen und dem breiten Grinsen zu trennen, fällt mir besonders schwer. Die eine oder andere Träne wird verdrückt und wir beeilen uns, den Abschied nicht noch mehr hinaus zu zögern, zumal mein Schwager noch eine Verabredung mit einem Teil seiner hiesigen Familie hatte.
Zurück auf dem Hotelzimmer stelle ich mir die Frage, was nun, was mach ich an dem heutigen Tag. Es ist wahnsinnig heiß. Nicht Herbst, sondern Sommer. Die Pirates spielen in den Playoffs, die Stadt steht Kopf. Das hiesige Baseball-Team war seit über 20 Jahren nicht mehr drin. Sie spielen derzeit sehr stark und die Fans beginnen langsam daran zu glauben, dass das Team weit kommen könnte. An ein Ticket ist nicht zu denken, denn das Spiel war schon lange ausverkauft. Allerdings wird man sicherlich einiges an Atmosphäre aufnehmen können.
Ich mache mir folgenden Plan: 1. Besuch des Heinz History Museum. Es wurde mir wärmstens ans Herz gelegt, da man dort viel über die Stadt und ihre Einwohner erfahren kann. 2. Fototour zu den beiden Stadien. 3. Essen bei Jerome Bettis, einem ehemaligen Running Back der Pittsburgh Steelers, Nickname „The Bus“ und 4. ein Besuch im Andy Warhol Museum. Ein guter Plan wie ich fand.
Das Heinz History Museum befindet sich nur wenige Blocks von meinem Hotel entfernt. In der Tat sind alle meine Ziele leicht zu Fuss zu erreichen. Ich mach mich auf dem Weg, nutze aber dennoch mein iPhone als Navigationshilfe, da dass Museum selbst nicht wirklich gut ausgeschildert war. Oder ich habe die Schilder übersehen.
Dort angekommen, die erste positive Überraschung: kein Eintritt heute! Nice. Normalerweise beginne ich meine Touren immer von oben nach unten, aber nach den Fahrzeugen in der Eingangshalle (Straßenbahn, Feuerwehrwagen usw.) zog es mich sofort in die anliegende Civil War Abteilung. Bin halt doch ein kleines Militaristen-Schwein. Der Fundus des Museums, der sich mir da zeigte, war schon sehr beeindruckend. Es ging nicht um die Geschichte des Bürgerkrieges im Detail, sondern viel mehr um die Menschen aus Pittsburgh und Umgebung, die an der Auseinandersetzung teilnahmen. Viele originale Gegenstände wie Waffen und viele Dokumente wie Fotografien wurden ausgestellt. Dazu gesellten sich Guides in damaligen Trachten, die Erläuterungen zu Gegenständen zum Besten gaben. Besonders interessant fand ich ein Regiments-Fotoalbum. Alle Mitglieder wurden darin einzeln abgebildet und mit einer anschließenden kurzen Notiz über deren Schicksal versehen.
- Strassenbahn
- Civil War Uniform
- Roberto Clemente Helm
- Goldmedallie 1036
- Jerome Bettis Trikot
Eine Stadt mit drei Mannschaften in den Major Leagues hat natürlich viel Sportgeschichte geschrieben. Allein die Steelers haben sechs mal den Super Bowl gewonnen. Rekord. Und so beherbergt das Museum viele interessante Gegenstände von berühmten Sport-Persönlichkeiten. Ein Trikot von Barry Bonds, ein Helm von Roberto Clemente und auch eine Goldmedaille der Olympischen Spiele von 1936 für den 800 m Gewinner John Woodruff. Der Legende nach wurde er im Rennen von anderen Läufern eingekeilt, so dass er sich nach hinten abfallen liess, um dann auf einer äußeren Bahn alle wieder zu überholen.
Es ist Mittags als ich das Museum wieder verließ, um mich auf den Weg zu den Stadien zu machen, um anschließend dort im Jerome Bettis Grill zu essen. Unterwegs entdecke ich Spuren deutscher Auswanderer. The German National Bank steht in großen Lettern auf einer Hauswand.
Die Stadt ist voll von Fans. Ich bahne mir den Weg zurück zum Hotel. Von dort ist es nur ein Katzensprung über den Fluss Allegheny zum PNC Park, dem Homefield der Pittsburgh Pirates. Bevor ich über die Brücke zum Stadion gehe, mache ich Fotos mit allen mir zur Verfügung stehenden Objektiven und Konvertern von der gegen-überliegenden Seite. Es ist etwas nervig und umständlich, aber ich denke nur an das Ergebnis, von dem ich hoffe, dass es gut werden wird.
Am Stadion angekommen ist es noch leer, aber die Eingänge sind belagert von vielen Fans. An ihnen schlängele ich mich vorbei, um nach unten zum Ufer zu gelangen. Von dort möchte ich zum Heinz Field kommen, der Spielstätte der Pittsburgh Steelers und dem College-Team Pittsburgh Panthers. Auf der anderen Flussseite entdecke ich ein riesiges gelbes Quietscheentchen, eine Installation von einem holländischen Künstler mit Namen Florentijn Hofman. Fehlt nur noch Ernie. Fotos werden gemacht und weiter geht’s.
Nach einigen Bildern am Heinz Field mache ich mich auf zum Jerome Bettis Grill. Dort angekommen, begrabe ich meinen Gedanken dort essen zu wollen, da der Laden brechend voll ist. Ich will zurück zum Hotel, um in mein neues Zimmer zu beziehen, das mit der fantastischen Aussicht auf das Baseball-Station. Leider ist es aber noch nicht fertig. Okay, also noch mal los. Sandwich besorgt und etwas an einem Brunnen im Schatten relaxt. Einem angeblichen Koch mit 2 Dollar ausgeholfen, Pirates Fans am Brunnen zu deren Erinnerung abgelichtet und weiter zum Andy Warhol Museum.
- Eingang zum Heinz Field
- Heinz Field
- Jerome Bettis Grill
Das Museum verfügt über sieben Etagen, wobei die oberste Etage wohl fremden Künstlern vorbehalten sind, die dort ausstellen dürfen. Bei meinem Besuch war es ein japanischer Künstler, der sich auf Fotomontagen spezialisiert hat auf denen er zum einen alte Meisterwerke und zum anderen berühmte Persönlichkeiten nachstellte. Dabei inszenierte er sich immer selbst. Alle nachfolgenden Etagen stellten Dinge und Werke aus dem Nachlass Warhols aus. Die bunten und schrillen Drucke fand ich schon klasse. Mit seinen Video-Installationen konnte ich allerdings nicht viel anfangen. Leider war das Fotografieren im Museum untersagt und auch den Eintritt von 20 Dollar fand ich nicht ohne.
Auf dem Weg zurück zum Hotel komme ich wieder am Baseball-Stadion vorbei, das mittlerweile komplett belegt schien. Die Stimmung außerhalb war beeindruckend und wurde von den Geräuschen getragen, die vom Stadion ausgingen. Die Leute lauschten gespannt an ihren Radios. Von der für Autos gesperrten Brücke zum Stadion hin, hatten die Leute eine großartige Aussicht. Nach weiteren Fotos ging es weiter.
- Pirates Playoff Game
- Fahnen im Wind
- Infield des Stadions
- Pirates vs. Cardinals
- Pirates im Infield
- Firewerk nach dem Spiel
Das Hotelzimmer war mittlerweile fertig und ich genoss die Aussicht und den Geräuschpegel. Allerdings folgte ich dann doch eher dem Footballspiel im Fernsehen.
Die Denver Broncos spielten gegen die Cowboys aus Dallas. Es war ein wahrer Schlagabtausch, der spannender nicht sein konnte. Am Ende konnten sich die Broncos gegen die Cowboys durchsetzen und das Spiel mit 51:48 gewinnen. Was für ein Spiel.
Morgen werde ich mich auf den Weg nach Canton machen. Schaun mer mal!















