Heute heißt es auf nach Canton! Yes. Mein Traum ist zum greifen nah. Nur noch zwei Busfahrten, dann bin ich dort. Karten sind bezahlt, also sollte es keine Probleme geben, denke ich mir am Morgen. Schade ist, dass ich mein Schloss verlassen muss, das Renaissance. Ist aber auch verdammt kostspielig und das Frühstück ist auch noch extra und dazu nicht sehr üppig. Also auf und davon.
Geduscht, angezogen und das nicht so üppige Frühstück inhaliert. Anschließend gepackt und ausgecheckt. Der Busbahnhof ist Gott sei Dank nicht allzu weit, so dass ich die Strecke mit dem Koffer – noch einmal Dank an Steffen – gut bewältigen kann. Er liegt ungefähr auf der gleichen Höhe wie das Heinz History Museum.
Da mein Bus erst um 13:00 pm abgeht, schlage ich dort eine gute Stunde vorher auf. Das sollte mir genügend Zeit geben, um meine Tickets abzuholen. Ging leider nicht. Schalter war nicht besetzt und wird erst wieder um 12:15 pm geöffnet. Na toll. Zeit mir eine Flasche Wasser für die Fahrt zu besorgen.
Es bildet sich bereits ein Schlange. so dass ich mich möglichst schnell einordne, damit ich nicht all zu lange auf meine Tickets warten muss. Der Typ am Schalter wirkt gelangweilt. Ohne emotionale Regungen nimmt er mein Anliegen entgegen und händigt mir die Tickets aus. An Gate 5 soll es dann weitergehen.
Der Bahnhof selbst ist neu und geflegt. Man sieht deutlich, wer Busfahrten nutzt bzw. sich diese leisten kann. Studenten, Senioren und schräge Vögel. Naja, wie auch immer, ich denke das letztere haben die Leute auch von mir gedacht, hehe. The crazy German from Berlin.
Wieder bildete sich eine Schlange. Diesmal an Gate 5. Um einen Fensterplatz zu ergattern, reihe ich mich schnell ein. Und sie wird länger und länger. Auch ein amishes Paar gesellt sich dazu. Dann geht es endlich los, das Boarding beginnt. Ich kann mir einen Fensterplatz sichern, aber mir wird klar heute fährst Du mit einem Sitznachbarn.
Der erste Kandidat war ein älterer großer Herr mit einem Krückstock, der sich nur sehr langsam fortbewegen konnte. Das war schon am Ticketschalter zu beobachten. Nee bloss nicht, denke ich mir und ich habe Glück, sein Handgepäck lässt sich über mir nicht verstauen. Puh.
Can I have the seat erklingt es. Ich meine was soll ich dazu sagen? Nee is nich! Yes of course antworte ich und der dicke Mann mit Muskelshirt nimmt neben mir Platz. Jackpot. Ehrlich, ich dachte im Bahnhof noch, er wäre eine etwas fülligere Frau.
Die Fahrt verläuft entspannt, denn der Typ geht mir nicht auf den Sack und steigt am nächsten Bahnhof wieder aus. Er bedankt sich dafür, dass er neben mir sitzen durfte. Amerikaner tun so etwas anscheinend. No problem! Have a nice day. Was soll das, denke ich mir, ist doch nicht mein Bus.
Die nächste Person neben mir ist eine Frau. Sie sieht nach Ende 40 Anfang 50 aus. Ich denke sie war mal hübsch, aber das Schicksal meinte es nicht sehr gut mit ihr. Sie wirkte nervös und sie fing an mir ihr Leben zu erzählen. Ich bemühte mich, mir nichts anmerken zu lassen und hörte ihr mit freundlicher Miene zu. Mit einem kurzen Gebet von ihr sollte unsere Reise beginnen. Anscheinend war sie sehr gläubig. Sie tat mir ein wenig leid. Ich sah anhand ihrer Tickets, dass sie noch einen weiten Weg vor sich oder bereits hinter sich hatte. Sie kam von oder wollte nach Great Junction, Colorado. Das andere Ende war Cleveland. Und dass alles mit Bus. Die Unterhaltung hält dann aber doch nicht lange an und darüber bin ich nicht wirklich traurig.
Wir erreichen Akron. Zeit für mich auszusteigen. Ich verabschiede mich und verlasse den Bus. Im Bahnhof erkundige ich mich nach meinem Anschlussbus. Westen lautet die Antwort. Super. Die Eingänge oder auch Ausgänge sind entsprechend der Himmelsrichtungen gekennzeichnet. Heißt irgendwann geht mein Bus an der Westseite ab. Na gut, ich weiß dass mein Bus um 5:55 pm abgeht, also wie viele Busse können das schon sein?
Ich leiste mir ein Chicken-Sandwich und einen Awesome Burger. Gott sei Dank waren die Toilettenkabinen auch groß genug. Die Wartezeit vertreibe ich mir mit meinem iPhone, denn auch hier gibt es freies Wifi. Doch die Bild-Seite darf ich nicht aufrufen: Contains nudity. Is forbidden. Tststs.
Zwei Busfahrer betreten die Halle und ich höre Blabla Canton Blabla. Yes!
Die Fahrt dauert nicht lange und nach einem kurzen Halt am Canton Airport erreichen wir um 6:30 pm mein Ziel, den Busbahnhof von Canton. Von dort ist es nicht weit bis zu meinem Hotel. Den Weg bin ich auf Google Maps schon abgegangen. Schnurstracks geht es zum McKinley Grant. Das Hotel wirkt von Außen anders als von Innen. Außen modern, innen Klubatmosphäre. Holzvertäfelungen wohin man schaut.
Ich bekomme Zimmer 614 und ich bin angenehm überrascht, da die Bewertungen nicht durchweg positiv waren. Man merkt aber doch, dass die wirtschaftliche Lage hier nicht sehr rosig ist und dies auch nicht spurlos an dem Hotel vorbeigegangen ist.
Nichtsdestotrotz bin ich zufrieden und froh angekommen zu sein. Und Morgen, ja morgen besuche ich die wichtigste Station meiner Tour! Awesome.

